Pünktlich um 8:30 wollen wir aufbauen in Singapores Konzertzentrum, Esplanade. Gegen 9:00 trudeln wir ein im Saal, da wir Terence seine Frau noch bei ihrer Arbeit absetzen mussten. Die halbe Stunde Aufbauzeit ist vollkommen ausreichend, und mit einer an fanatischem Desinteresse grenzender Routine rennt Terence vor mir her, um die Mikrofone zu hängen und zu stellen. Ich biete an, die Holzbläsermikrofone zu stellen, und kurz danach unterhalte ich mich auf Deutsch mit einem Fagottisten und einer chinesischen Fagottistin. Da sie aber, wie der Mann sagt, [ernster Ton angeschaltet] “sich einspielen müssen”, wird das Gespräch trotz bleibendem, einladenden Lächeln der Fagottistin abrupt beenden. Ich grinse ein wenig zurück und kopfschüttelnd laufe ich hinter Terence her die Saalmikrofone auf den hinteren Balkons zu stellen. Alles ist angeschlossen, und im Regieraum mit Fensterblick auf den Saal wird gerufen “Got Sound? Can!”. Was so viel heisst wie “Wen kümmert’s wie es klingt, wir haben doch Signal!”. Es wird ein wenig geprobt, und in der kurzen Pause werde ich u.a. dem Dirigenten vorgestellt – der hier eindeutig nicht drauf vorbereitet war – und beim Beginn der zweiten Hälfte paradiert Sarah Chang auf die Bühne. Der Blick auf die Mikrofone initiiert eine abneigende Reaktion, und das Violinmikrofon muß entfernt werden. Hingesichts der Tatsache, daß wir demnach keinen Einfluß mehr ausüben können auf den weiteren Klang, ist die Sache klar und Terence ruft, daß wir Wun beim Singapore Chinese Orchestra besuchen gehen. Dieses tun wir, und mit dessen Kollegen wird eine Rauchsitzung gehalten, da wir es im Saal mit der grauenhaft spielenden jugendlichen Brass Band nicht aushalten. Eine Diskussion über das push-mail System wird entfacht, jedoch keine Seite möchte nachgeben. Wun begleitet uns noch zum taiwanesischen, ausgezeichneten Mittagessen, und danach fahren wir gemeinsam zur Wohnung, die ohne mein Wissen für mich geregelt wurde. Zum Glück ist diese inordnung, denn alles war wohl schon abgemacht. Hier kann ich schlafen, leben, und wir beide arbeiten. Klein, aber mit guter Lage, und: mit Blick auf eine Hochhausbaustelle! Es scheint unser Auswahlkriterium zu werden...
In der Zwischenzeit hat es angefangen zu regnen, und nachdem wir Wun abgesetzt haben rasen wir heimwärts, wo ich mich zu entspannen versuche, während die kreischenden Kinder umherrennen und die Eltern zur Weißglut bringen. Abends machen wir uns auf den Weg zum Konzert, und Terence fragt mich, ob es ein Problem sei, daß wir erst nach diesem Essen gehen. Meinen knurrenden Magen stille ich mit Kaffee, und werde zum Regieraum geleitet. Ich darf die Aufnahme “leiten”, und deswegen drücke ich pflichtbewußt Aufnahmeknöpfe und lehne mich 2 Stunden lang zurück. Dafür ist das Essen im alten Basar ausgezeichnet, und mit einer Freundin von Terence sitzen wir unter dem Sonnen-/Regenschirm geschützt. Ich entdecke ein neues Hungergefühl, das seit unserer Ankunft unentwegt gestillt werden muss, und extra Speisen werden bestellt. Zurück im Haus zeigen sich keine neuen, erschütternden e-mails, und so gehen wir schlafen.
Freitag, 1. Februar 2008
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