Freitag, 1. Februar 2008

Freitag, 1. Februar 2008

Pünktlich um 8:30 wollen wir aufbauen in Singapores Konzertzentrum, Esplanade. Gegen 9:00 trudeln wir ein im Saal, da wir Terence seine Frau noch bei ihrer Arbeit absetzen mussten. Die halbe Stunde Aufbauzeit ist vollkommen ausreichend, und mit einer an fanatischem Desinteresse grenzender Routine rennt Terence vor mir her, um die Mikrofone zu hängen und zu stellen. Ich biete an, die Holzbläsermikrofone zu stellen, und kurz danach unterhalte ich mich auf Deutsch mit einem Fagottisten und einer chinesischen Fagottistin. Da sie aber, wie der Mann sagt, [ernster Ton angeschaltet] “sich einspielen müssen”, wird das Gespräch trotz bleibendem, einladenden Lächeln der Fagottistin abrupt beenden. Ich grinse ein wenig zurück und kopfschüttelnd laufe ich hinter Terence her die Saalmikrofone auf den hinteren Balkons zu stellen. Alles ist angeschlossen, und im Regieraum mit Fensterblick auf den Saal wird gerufen “Got Sound? Can!”. Was so viel heisst wie “Wen kümmert’s wie es klingt, wir haben doch Signal!”. Es wird ein wenig geprobt, und in der kurzen Pause werde ich u.a. dem Dirigenten vorgestellt – der hier eindeutig nicht drauf vorbereitet war – und beim Beginn der zweiten Hälfte paradiert Sarah Chang auf die Bühne. Der Blick auf die Mikrofone initiiert eine abneigende Reaktion, und das Violinmikrofon muß entfernt werden. Hingesichts der Tatsache, daß wir demnach keinen Einfluß mehr ausüben können auf den weiteren Klang, ist die Sache klar und Terence ruft, daß wir Wun beim Singapore Chinese Orchestra besuchen gehen. Dieses tun wir, und mit dessen Kollegen wird eine Rauchsitzung gehalten, da wir es im Saal mit der grauenhaft spielenden jugendlichen Brass Band nicht aushalten. Eine Diskussion über das push-mail System wird entfacht, jedoch keine Seite möchte nachgeben. Wun begleitet uns noch zum taiwanesischen, ausgezeichneten Mittagessen, und danach fahren wir gemeinsam zur Wohnung, die ohne mein Wissen für mich geregelt wurde. Zum Glück ist diese inordnung, denn alles war wohl schon abgemacht. Hier kann ich schlafen, leben, und wir beide arbeiten. Klein, aber mit guter Lage, und: mit Blick auf eine Hochhausbaustelle! Es scheint unser Auswahlkriterium zu werden...

In der Zwischenzeit hat es angefangen zu regnen, und nachdem wir Wun abgesetzt haben rasen wir heimwärts, wo ich mich zu entspannen versuche, während die kreischenden Kinder umherrennen und die Eltern zur Weißglut bringen. Abends machen wir uns auf den Weg zum Konzert, und Terence fragt mich, ob es ein Problem sei, daß wir erst nach diesem Essen gehen. Meinen knurrenden Magen stille ich mit Kaffee, und werde zum Regieraum geleitet. Ich darf die Aufnahme “leiten”, und deswegen drücke ich pflichtbewußt Aufnahmeknöpfe und lehne mich 2 Stunden lang zurück. Dafür ist das Essen im alten Basar ausgezeichnet, und mit einer Freundin von Terence sitzen wir unter dem Sonnen-/Regenschirm geschützt. Ich entdecke ein neues Hungergefühl, das seit unserer Ankunft unentwegt gestillt werden muss, und extra Speisen werden bestellt. Zurück im Haus zeigen sich keine neuen, erschütternden e-mails, und so gehen wir schlafen.

Mittwoch, 30. Januar 2008

Mittwoch, 30. Januar 2008

Der Morgen wird verwendet, um die Wohnung provisorisch aufzuräumen und die Sachen zu packen. Computer und Geräte werden verstaut, Kleidung geordnet und Koffer geschleppt. Der Taxifahrer besteht diesmal nicht darauf, alles auf zwei Autos zu verteilen, und fährt – mit einer kleinen Premie reicher geworden – los. Es stellt sich heraus, dass die Taxifahrer in ihren Autos verpflichtet weiße Stuhlbedeckungen installieren müssen, und diese durch mögliches Gepäck schmutzig werden. Das Rätsel ist gelöst... Der Verkehr ist erstaunlich gering und somit dauert die Fahrt nur eine dreiviertel Stunde. Am Flughafen durchlaufen wir die Standardprozedur und der Sicherheitsbeamte wühlt mal wieder desinteressiert durch meine Sachen, obwohl ich ihn halb schreiend warne, er soll es sein lassen. Starbucks serviert uns einen warmen Kaffee, und am Gate angekommen treffen wir noch ein paar Orchestermitglieder, die ein paar Tage länger geblieben sind. Das Flugzeug hebt nach einer rhetorischen Verzögerung ab und wir geniessen mal wieder den Lärm und das fragwürdige Luftverkehressen, welches dieses Mal aus genüsslichen Teigtaschen besteht, die durch das Fehlen der obligatorischen Soße ein wenig trocken runtergeschluckt werden.

In Hong Kong angekommen regnet es. Stark. Auch stellt sich heraus, daß unser flightcase mit den Vorverstärkern und Wandlern in Beijing vergessen wurde, genau wie einige Gepäckstücke der Orchestermitglieder. Zum Glück ist es schon im nächsten Flugzeug. Ich überlege noch, ob dies der Grund sei für unsere 1 Stunde Verspätung – in Beijing musste ja wieder alles ausgeladen werden bevor wir wegflogen – aber ganz so sicher bin ich mir nicht. Zusammen mit den übriggebliebenen Orchestermitgliedern beginnt eine Irrfahrt durch Gänge und Terminals des Flughafens, um ein versprochenes Taxi zu finden. Es wird entdeckt und im Regen und der Dunkelheit fahren wir über Kowloon nach Hong Kong zum Hotel, da Terence sein verlorenes iPhone ersetzen will durch ein neues und er es abholen kann.

Dienstag, 29. Januar 2008

Dienstag, 29. Januar 2008

Morgens kriege ich eine sms, daß der Dirigent und Assistent des Blasorchesters mich zum Mittagessen treffen wollen, und zwar in der Nähe des Appartements. Ich spreche mit Shang Dan ab, daß wir uns am Supermarkt treffen und dann zusammen zum Restaurant laufen. Es stellt sich heraus, daß es ein traditionelles Beijing Restaurant ist, und ich bereite meinen Verdauungstrakt schon auf die Nudeln vor. Drinnen ist der Assistent schon anwesend und in recht beflissenem Englisch weist er uns auf die richtigen Stühle. Wir unterhalten uns ein wenig und kurz danach trifft der Dirigent ein, zusammen mit einem etwas schüchternen Jungen, der als der Translator vorgestellt wird. Ich sage Shang, daß sie wohl erneut gefeuert wurde, und sie schaut ein wenig traurig nickend in die Runde. Das Gespräch will sich nicht wirklich entwickeln, denn der Translator kann noch schlechter Englisch als Shang Dan und daneben spricht er so leise, daß selbst meine Musikerohren keinen blassen Schimmer haben von dem, was da gesprochen wird. Ich überreich die Partituren möglichst feierlich, und gleich wird gefragt, worüber die Stücke handeln. Der Translator begreift wirklich keinen Pfennig, denn er stellt diese Frage fünf mal, und dann noch so, alsob ICH nicht begreife, was er mich fragt. Idiot. Das ganze wird umrahmt durch viel Bier und gezeche, und Shang Dan ist so blöd um die Geschichte mit dem starken chinesischen Wein zu erzählen, woraufhin der Assistent gleich welchen holen will. Ich kann das zum Glück noch vermeiden, denn das Bier alleine hat schon Wirkung. Wir schliessen schließlich das ganze ab, in dem mir erneut und erneut gerade das Essen aufgetellert wird, was mir am wenigsten schmeckt, und danach werde ich noch Zuhause abgesetzt. In der Wohnung versuche ich, wieder nüchtern zu werden und als Terence zurückkommt mache ich mich auf, den Rest der Aufnahme fertig zu stellen für CCTV.

Nach einiger Zeit kommt Cao Meng vorbei, und nachdem die CDs fertig ist muß gegessen werden.Wir wollen das koreanische Restaurant gleich um die Ecke probieren, denn die Geschichte von Terence aus Korea – wo die einem die nackte Bedienung das Essen in den Mund schiebt – hat uns sehr fasziniert. Das Essen ist vorzüglich, und wir grillen drauf los daß es eine Lust ist. Die Serviererinnen sind zwar bekleidet, aber die vier Fleischteller werden geleert und alles andere, was auf dem Tisch steht, auch. Es hat uns 2,5 Stunden gekostet, und das Restaurant ist schon leer als wir uns vollgefressen auf den kurzen, kalten Nachhauseweg machen.

Montag, 21. Januar 2008

Montag, 21. Januar 2008

Der Schlaf war kurz, denn ich habe etwas falsches gegessen und diese möchte sich nachts mehrere Male aus meinem Körper entfernen. Auch Terence scheint sich nicht gut zu fühlen, denn er verzichtete ebenso auf ein Abendessen und ging schlafen. Ziemlich benommen reisen wir am nächsten Morgen ab zum Flughafen und versuchen, den Flug einigermaßen zu überstehen. Nachdem wir beide schlecht schlafen im Flugzeug und mir der Nacken schmerzt, versüßt uns der Taxifahrer mit einer Geschichte den Tag. Er dürfe uns nicht beide mitnehmen, da wir zuviel Gepäck mithaben und es illegal sei, Gepäck auf der Rückbank zu transportieren. Der Taxibus möchte 400 RMB für die Fahrt, also teilen wir uns 2 normale Taxis und geben die Hälfte aus. Am Gebäude angekommen stellt Terence fest, daß er sein iPhone im Taxi liegen gelassen hat. Es wird nicht wiedergefunden.

In der Wohnung wird erst einmal alles eingerichtet und beim Supermarkt die nötigen Sachen gekauft, um die kommende Woche überstehen zu können. Terence lobt sich als Küchenfachmann und verspricht, wenigstens einmal zu kochen. Wir gehen abends ins Restaurant und dort schmeckt es wie immer ganz gut.

Freitag, 18. Januar 2008

Freitag, 18. Januar 2008

Morgens früh klingelt der Wecker, und ich will nicht aufstehen. Es wird die Weckzeit verstellt und zu spät gehe ich duschen. Terence ruft an, ob ich schon aufgestanden sei, und da ich schon halb gekleidet bin kann ich es bestätigen. Zu dritt gehen wir frühstücken, Congee, heute mit dem,wie sich herausstellt, in Wirklichkeit frittierten Teig. Terence und ich machen uns auf, bei seinem Bruder die Aufnahmegeräte einzusammeln, und so wahr kommen wir pünktlich kurz nach 11 Uhr in der Hong Kong City Hall an. Der Taxifahrer hat sich zwar vertan, aber ganz so schlimm ist das Schleppen über den Parkplatz zum Backstage-eingang auch wieder nicht. Der stagemanager der City Hall philosophiert über die “Standardmikrofonaufstellung”, die sie hängen haben, und Terence versucht hinzubekommen, daß wir noch irgendetwas selber bestimmen können. Zum Glück ist der langhaarige Tonverantwortliche im Saal sehr hilfsbereit und fragt mich beim Mikrofonhängen und –positionieren sogar, ob “everything ok for you” ist. Es wird herumpositioniert, und ich bin zufrieden. Die Probe beginnt, und der Klang ist sogar akzeptabel. Die Di Zi Solisten kommen beide mal hören, und sind begeistert. “Thank you! Thank you!” ist das Resultat, und ein frohes Orchester ebenso. Es stellt sich heraus, daß der Dirigent mich gestern vorgestellt hat als der beste Tonmeister in Europa, der gerade aus Berlin zurückkommt von einer Zusammenarbeit mit den Berliner Philharmonikern. Terence meint “just always say yes” und ich verspreche es. Das abendliche Konzert gelingt wirklich gut, und wir werden eingeladen auf “Hot Pot” in der Jaffe Street, einem ziemlich miesen expat-Teil Hong Kongs, doch das Restaurant ist nur gefüllt mit Chinesen und das Essen schmeckt vortrefflich. Nachdem Terence ‘zufällig’ meinen Hang zu einer der Er Hu-Spielerinnen erzählt, werden stundenlag große Pläne für den nächsten Tag geschmiedet. Wir werden sehen.

Nachdem alle ziemlich besoffen sind, und einer der Musiker stolz feststellt, ‘wenigstens könne der Ausländer trinken”, wird abgefahren und Terence und ich beim Hotel abgesetzt. Alle freuen sich auf die Konzerte in Beijing, denn sie sind das erste chinesische Orchester überhaupt daß im neuen Nationaltheater spielen wird. Terence meint noch, ich dürfe ihn auf keinen Fall wecken den nächsten Morgen, und wir gehen schlafen.

Donnerstag, 17. Januar 2008

Donnerstag, 17. Januar 2008

Das Hong Kong Chinese Orchestra probt in einem Saal bei ihrem Office im Sheung Wan Municipal Centre an der Queens Road Central. Der Taxifahrer ist behilflich beim Suchen und ich komme nur etwas zu spät an. Tiffany, die am vorigen Tag noch krähend am Telefon antwortete, fragt mich, ob ich Terence’s assistant sei, und bevor ich weiteres verhindern kann, bin ich degradiert. Zum Glück werde ich im Proberaum durch den Dirigenten vor dem Orchester als Partner von Terence vorgestellt, jedenfalls meine ich das aus spärlichem Kantonesisch und Handgebärden feststellen zu können. Die Proben sind sehr interessant und die Stück dieses Mal gut. Die beiden Dizi Solisten spielen auch sehr gut, und so ist die Probe keine Qual. Ich versuche noch, in der City Hall vorbeizugehen, jedoch krähen Tiffany und Ray, der zu junge, mit trendy Brille und nervigem Verhalten ausgestattete stagemanager, daß dies heute nicht möglich sei, denn der Saal sei vermietet. Daraufhin muß ich wohl etwas anderes tun, und ich nehme die MTR in Richtung Hotel und durchquere dabei ein wenig von Central sowie danach Wan Chai. Mein neues Zimmer ist da, und so auch das Gepäck. Ich lade alles ab und will wieder gehen, werde jedoch angerufen durch die Rezeption, wo denn meine Deposit sei. Ich muss schließlich runtergehen und sauge mir eine Geschichte aus den Fingern, man habe gestern mit mir alles mögliche abgesprochen, und ich hätte gar kein Problem nun Geld zu holen, es sei aber nicht abgesprochen gewesen. Die Managerin versucht anfangs noch, mich zu überreden, jedoch lächele ich kopfschüttelnd und wiederhole alles noch einmal. Dies scheint zu funktionieren, denn sie entschuldigt sich und meint, alles sei inordnung. Da ich im Zimmer angekommen wieder angerufen werde, ob denn Herr Cho nun das Zimmer mit mir teilt oder ein seperates braucht, denn es gäbe zwei Reservierungen, mache ich mich schnell auf zum verspäteten Mittagessen.

Ich gehe zu einem Restaurant, in dem ich vorher schon mal mit Terence gewesen bin. Es stellt sich heraus, daß dies direkt um die Ecke ist, und so erweitert sich mein Orientierungsbewusstsein. Der Ober stellt mir den lauwarmen obligatorischen Thee hin und fragt, was ich denn möchte. Natürlich sind alle Karten auf chinesisch, deswegen versuche ich, es ihm zu erklären.

Dirk: “Rice noodles with beef.”
Chinese: “Fried noodle??”
Dirk: “Rice noodles.”
Chinese: “Fried noodle??”
Dirk: “Rice noodles. With the dark sauce.”
Chinese: “Beef??”
Dirk: “Yes, with beef, please.”
Chinese: “Rice beef??”
Dirk: “No, no. Rice noodles, with beef. With the dark sauce.”
Chinese: “Fried noodle????”
Dirk: “No. Rice noodles!”
Chinese: “Rice noodle not together!!”
Dirk: “Not Rice and noodle. Rice noodles! With the dark sauce.”
Chinese: “Fried noodle???”
Dirk: “Yes, ok. With beef.”
Chinese: “Ok. With beef.”

Verstört rennt er weg, aber nachdem ich später ein ‘yin yeung’ bestelle fangen seine Augen an, zu strahlen, und bestätigt meine Wahl mit “Good! Take Shuwa!”. [...] “Shuwa!!”. Das süße, weiße Korn wird hereingerührt und danach ist der Ober mein neuer Freund.

Ich gehe zur MTR und fahre nach Mong Kok, laut Wikipedia das dichtbevölkertste Stück Land der Welt. In der Tat ist es alles recht gedrängt dort, und die vielen Neonlichter und –schilder müssen nachts beeindruckend sein. Ein hin- und her wird besiegelt durch den Kauf von Eiergebäck. Mit der MTR wird zurückgefahren und in Wan Chai zwei sehr illegal anmaßende CDs gekauft. Im Hotel warte ich ein wenig auf Terence, und nachdem ich in der Lobby den einzigen Fleck geortet habe, wo ich auf ein benachbartes Netzwerk gratis einloggen kann, kommen Terence und Selina an. Wir essen zusammen etwas, und danach trinken Terence und ich noch ein Bier im Zimmer.

Mittwoch, 16. Januar 2008

Mittwoch, 16. Januar 2008

Der letzte Tag in Beijing wird erfreut durch einen Besuch des Vermieters, dem ich angeboten habe 1 Monat zu bezahlen, und den Rest wenn Terence und ich zurückkehren am 21. Er warnt vor kommenden Aktionen – bei Bezahlungsversäumungen erhöhen sich die Kosten!! – ich zeige mich aber wenig beeindruckt und mit einem freundlichen Lächeln gebe ich ihm sein Geld und er zieht Leine. Sun Yue und seine wie immer übertrieben schüchterne Freundin geben mir noch Aussprachetipps, verlassen mich dann aber, um zum KTV zu gehen. Auf meine verwunderte Frage über die Zeit wird geantwortet “cheaper during day”. Ah so. Ich fange an, meine Sachen zu packen, denn wie schon vorhergesagt konnte Cao Meng keinen Besuch beim Grand National Theatre organisieren.

Ein Taxi finden ist mal wieder ein Kinderspiel und der Taxifahrer hilft mir beim Gepäckeinladen, nachdem er nickend auf meine Zielbeschreibung reagiert hat. Wieder eingestiegen wiederholt er noch einmal auf Chinesisch “Fei Ji Chang”, ich sage “Dui, dui!” woraufhin er nach Worten suchen schlussendlich “airport” herausbekommt. Ich sage “Yes, indeed!” und er lacht laut und stolz. Wir fahren ab, und bis zum dritten Nord-ostring geht alles gut, dann jedoch steht eine lange Schlange, die einen doch etwas nervös machen kann. Meine neuerlangten tiefen Atemtechniken helfen ein wenig den Chi zirkulieren zu lassen, und so störe ich mich nicht allzuviel an dem Schneckentempo. Nach 1¼ Stunden kommen wir an, und nach Ausfüllen des Declarationformulars, das mir übrigens keiner abnimmt, komme ich pünktlich 5 Minuten vor Eincheckschluss am Schalter an. Die ganze daraufhin folgende Emigrationsprozedur ist mal wieder nervig, jedoch sind heute alle ziemlich freundlich und so ist es auszuhalten. Der Weg zum Gate ist nicht sehr weit und dort angekommen laufe ich gleich weiter an der umherrufenden Frau vorbei ins Flugzeug, welches erst mit einer satten Verspätung anfängt, abzufahren.

In Hong Kong angekommen wird der Airport-express Zug genommen und in Central ausgestiegen. Dort mit dem Taxi weiter, alles läuft geschmiert. Im Hotel dann aber wird natürlich erst mit großen Augen nach der Reservierung gesucht, denn das Zimmer ist auf ‘Cho’ gebucht und in meinem Pass steht ‘Fischer’. Ich sage fünfunddreißig mal, dass ich die Reservierungsbestätigung bei mir habe, denn Herr Cho habe für mich reserviert, aber der dumme Rezeptionist lächelt nur und nuschelt, daß er die Reservierung nicht finden könne, und ob ich Herr Cho sei. Als das Rätsel endlich gelöst ist, wobei ich glaube, daß sie es immer noch nicht wirklich begreifen, fängt das Gerede über den Deposit an. Ich habe das ehrlich gesagt total vergessen und nicht genug Geld dafür dabei, auch wenn es nur 500 HK$ sind. Zum Glück kann ich mich herausreden und bekomme für die erste Nacht ein besonderes Kingsize-bed Zimmer, “to make you feel extra welcome and comfortable”. Natürlich haben sie nicht mehr genug Doppelbettzimmer frei, aber ich finde es prima und sie versprechen mir, am nächsten Vormittag mein Gepäck in das neue Zimmer zu transportieren. Ich lade meine Sachen ab und gehe nach draußen in das nächtliche Wan Chai, um noch etwas zu essen. Da ich mir vorgenommen habe, möglichst schnell irgendwo reinzugehen – Trick: dort, wo die meisten Leute sitzen – laufe ich diesmal nur zwei mal eine Runde und lasse mich beim ‘Congee King’ nieder, wo nahezu kein Mensch sitzt. Eine alte Frau kommt zum Tisch und schreit mich mit ‘Congee!!’ an. Ich nicke, “yes, congee”. “What Congee!! Chicken, beef, pork, egg!!”. Etwas schüchtern erwider ich “beef” und die Frau meint daraufhin “drink!”. Ich sage Bier auf Mandarin, worauf sie kopfschüttelnd meint “no píjiu”. Irgendwas von Milk Soy wird gefaselt und ich sage fünf mal ja, bis sie es begriffen hat, daß ich es in der Tat will, und sie haut ab. Ziemlich schnell später kommt ihre Schwester zum Tisch mit der Suppe, rummst die Schüssel auf den Tisch und meint “Congee!”. Dazu wird eine Cola gestellt, die wohl die vorhin angedeutete Milk Soya war. Der Congee King macht jedoch seinem Namen Ehre, leider habe ich aber vergessen, die am Nebentisch wohl abgelieferten frittierten Brotrollenstücke zu bestellen. Wahrscheinlich wären diese aber sowieso nicht angekommen.

Ein etwas zu langer Spaziergang über die Lockhardt Road entlang Cafés, Bars und in molekularen Röckchen gekleideten thailändischen Hostessen, die zum Eintreten in Touristenfallen lächeln, biege ich wieder um und laufe der Sunny Paradise Sauna entgegen. Drinnen werde ich freundlich jedoch sachlich empfangen, und nach dem Entkleiden gehe ich Duschen. Da man dafür erst entlang dem grossen Gruppenwhirlpool gehen muss, um den verschiedene Räume, wie eine Sauna, ein chinesisches Dampfbad und ‘Scrubstations’ gebaut sind, werde ich durch den Aufseher angesprochen. “Welcome back! Where is your tall friend?”. Ich zweifele anfangs noch, ob er mich verwechselt, jedoch meint er kurz später noch “so you went back to Holland? How long I not see you? 3 months?”. Etwas erstaunt bleibe ich zu lange in der Sauna sitzen, nicht nur wegen des Gesprächs mit einem verlaufenen Amerikaner, der in Hong Kong ist “to visit friends once in a while”. Mit halben Kopfschmerzen gehe ich schnell duschen und auf Anraten des Aufsehers nehme ich nach dem Whirlpool noch ein chinesisches Dampfbad, was nebst schlechter Sicht in der Tat eine interessante Wirkung hat. Ein paar wirkliche Sojamilche später werde ich in einen privaten Chillroom geführt, wo ich zwei “yin yeung” bestelle, Hong Kongs spezielles Mischgetränk aus Thee, Kaffee, Milch und Zucker, 1:1-Verhältnis. Eine Art Floormanager möchte wissen, ob ich nun bereit für die Massage sei, und ob sie soft, medium oder hard sein soll. Medium wird etwas zögernd geantwortet, und da alles so geschmiert läuft frage ich ihn beim nach oben begleiten doch noch schnell, was für eine Massage ich denn jezt bekomme. “Traditional” sagt er, und ich frage “chinese?” und es wird bestätigt. “No special service, haha!”. Eine Chinesin wartet im Gang auf mich, und während eine ältere Frau mich zu ihr bringt muss sie spontan lachen, denn ich sei zu groß. Etwas später liege ich auf dem Bauch während sie auf mir herumläuft und mit Hacke und Fußsohle eifrig drückt. Ich fühle mich wie eine Marionette, denn Sehnen und Muskeln tun ihre Arbeit und Gliedmaßen fangen spontan an, sich zu bewegen. Das ganze ist an der Schmerzgrenze aber gerade richtig, bis auf das eine Mal, daß sie wohl den Todesmeridian erwischt hat, aber das verzeihe ich ihr. Einige Zeit später klingelt das Telefon und sie nimmt verwundert ab. Ich ahne schon, daß die Zeit vorüber ist, und in der Tat fängt die Masseusin an, im D-Zugtempo noch die Unterbeine einzuschmieren und zu quetschen, hört aber schnell auf und meint, es sei vorbei. Eine Sitzung ist 45 Minuten lerne ich später, und muss demnach nächstes Mal wohl zwei nehmen. Die Nummer der Masseusin wird gemerkt, und so gehe ich duschen. Es ist üblich, ein Trinkgeld zu hinterlassen, und 30 Euro leichter mache ich mich auf in Richtung Hotel.