Mittwoch, 16. Januar 2008

Mittwoch, 16. Januar 2008

Der letzte Tag in Beijing wird erfreut durch einen Besuch des Vermieters, dem ich angeboten habe 1 Monat zu bezahlen, und den Rest wenn Terence und ich zurückkehren am 21. Er warnt vor kommenden Aktionen – bei Bezahlungsversäumungen erhöhen sich die Kosten!! – ich zeige mich aber wenig beeindruckt und mit einem freundlichen Lächeln gebe ich ihm sein Geld und er zieht Leine. Sun Yue und seine wie immer übertrieben schüchterne Freundin geben mir noch Aussprachetipps, verlassen mich dann aber, um zum KTV zu gehen. Auf meine verwunderte Frage über die Zeit wird geantwortet “cheaper during day”. Ah so. Ich fange an, meine Sachen zu packen, denn wie schon vorhergesagt konnte Cao Meng keinen Besuch beim Grand National Theatre organisieren.

Ein Taxi finden ist mal wieder ein Kinderspiel und der Taxifahrer hilft mir beim Gepäckeinladen, nachdem er nickend auf meine Zielbeschreibung reagiert hat. Wieder eingestiegen wiederholt er noch einmal auf Chinesisch “Fei Ji Chang”, ich sage “Dui, dui!” woraufhin er nach Worten suchen schlussendlich “airport” herausbekommt. Ich sage “Yes, indeed!” und er lacht laut und stolz. Wir fahren ab, und bis zum dritten Nord-ostring geht alles gut, dann jedoch steht eine lange Schlange, die einen doch etwas nervös machen kann. Meine neuerlangten tiefen Atemtechniken helfen ein wenig den Chi zirkulieren zu lassen, und so störe ich mich nicht allzuviel an dem Schneckentempo. Nach 1¼ Stunden kommen wir an, und nach Ausfüllen des Declarationformulars, das mir übrigens keiner abnimmt, komme ich pünktlich 5 Minuten vor Eincheckschluss am Schalter an. Die ganze daraufhin folgende Emigrationsprozedur ist mal wieder nervig, jedoch sind heute alle ziemlich freundlich und so ist es auszuhalten. Der Weg zum Gate ist nicht sehr weit und dort angekommen laufe ich gleich weiter an der umherrufenden Frau vorbei ins Flugzeug, welches erst mit einer satten Verspätung anfängt, abzufahren.

In Hong Kong angekommen wird der Airport-express Zug genommen und in Central ausgestiegen. Dort mit dem Taxi weiter, alles läuft geschmiert. Im Hotel dann aber wird natürlich erst mit großen Augen nach der Reservierung gesucht, denn das Zimmer ist auf ‘Cho’ gebucht und in meinem Pass steht ‘Fischer’. Ich sage fünfunddreißig mal, dass ich die Reservierungsbestätigung bei mir habe, denn Herr Cho habe für mich reserviert, aber der dumme Rezeptionist lächelt nur und nuschelt, daß er die Reservierung nicht finden könne, und ob ich Herr Cho sei. Als das Rätsel endlich gelöst ist, wobei ich glaube, daß sie es immer noch nicht wirklich begreifen, fängt das Gerede über den Deposit an. Ich habe das ehrlich gesagt total vergessen und nicht genug Geld dafür dabei, auch wenn es nur 500 HK$ sind. Zum Glück kann ich mich herausreden und bekomme für die erste Nacht ein besonderes Kingsize-bed Zimmer, “to make you feel extra welcome and comfortable”. Natürlich haben sie nicht mehr genug Doppelbettzimmer frei, aber ich finde es prima und sie versprechen mir, am nächsten Vormittag mein Gepäck in das neue Zimmer zu transportieren. Ich lade meine Sachen ab und gehe nach draußen in das nächtliche Wan Chai, um noch etwas zu essen. Da ich mir vorgenommen habe, möglichst schnell irgendwo reinzugehen – Trick: dort, wo die meisten Leute sitzen – laufe ich diesmal nur zwei mal eine Runde und lasse mich beim ‘Congee King’ nieder, wo nahezu kein Mensch sitzt. Eine alte Frau kommt zum Tisch und schreit mich mit ‘Congee!!’ an. Ich nicke, “yes, congee”. “What Congee!! Chicken, beef, pork, egg!!”. Etwas schüchtern erwider ich “beef” und die Frau meint daraufhin “drink!”. Ich sage Bier auf Mandarin, worauf sie kopfschüttelnd meint “no píjiu”. Irgendwas von Milk Soy wird gefaselt und ich sage fünf mal ja, bis sie es begriffen hat, daß ich es in der Tat will, und sie haut ab. Ziemlich schnell später kommt ihre Schwester zum Tisch mit der Suppe, rummst die Schüssel auf den Tisch und meint “Congee!”. Dazu wird eine Cola gestellt, die wohl die vorhin angedeutete Milk Soya war. Der Congee King macht jedoch seinem Namen Ehre, leider habe ich aber vergessen, die am Nebentisch wohl abgelieferten frittierten Brotrollenstücke zu bestellen. Wahrscheinlich wären diese aber sowieso nicht angekommen.

Ein etwas zu langer Spaziergang über die Lockhardt Road entlang Cafés, Bars und in molekularen Röckchen gekleideten thailändischen Hostessen, die zum Eintreten in Touristenfallen lächeln, biege ich wieder um und laufe der Sunny Paradise Sauna entgegen. Drinnen werde ich freundlich jedoch sachlich empfangen, und nach dem Entkleiden gehe ich Duschen. Da man dafür erst entlang dem grossen Gruppenwhirlpool gehen muss, um den verschiedene Räume, wie eine Sauna, ein chinesisches Dampfbad und ‘Scrubstations’ gebaut sind, werde ich durch den Aufseher angesprochen. “Welcome back! Where is your tall friend?”. Ich zweifele anfangs noch, ob er mich verwechselt, jedoch meint er kurz später noch “so you went back to Holland? How long I not see you? 3 months?”. Etwas erstaunt bleibe ich zu lange in der Sauna sitzen, nicht nur wegen des Gesprächs mit einem verlaufenen Amerikaner, der in Hong Kong ist “to visit friends once in a while”. Mit halben Kopfschmerzen gehe ich schnell duschen und auf Anraten des Aufsehers nehme ich nach dem Whirlpool noch ein chinesisches Dampfbad, was nebst schlechter Sicht in der Tat eine interessante Wirkung hat. Ein paar wirkliche Sojamilche später werde ich in einen privaten Chillroom geführt, wo ich zwei “yin yeung” bestelle, Hong Kongs spezielles Mischgetränk aus Thee, Kaffee, Milch und Zucker, 1:1-Verhältnis. Eine Art Floormanager möchte wissen, ob ich nun bereit für die Massage sei, und ob sie soft, medium oder hard sein soll. Medium wird etwas zögernd geantwortet, und da alles so geschmiert läuft frage ich ihn beim nach oben begleiten doch noch schnell, was für eine Massage ich denn jezt bekomme. “Traditional” sagt er, und ich frage “chinese?” und es wird bestätigt. “No special service, haha!”. Eine Chinesin wartet im Gang auf mich, und während eine ältere Frau mich zu ihr bringt muss sie spontan lachen, denn ich sei zu groß. Etwas später liege ich auf dem Bauch während sie auf mir herumläuft und mit Hacke und Fußsohle eifrig drückt. Ich fühle mich wie eine Marionette, denn Sehnen und Muskeln tun ihre Arbeit und Gliedmaßen fangen spontan an, sich zu bewegen. Das ganze ist an der Schmerzgrenze aber gerade richtig, bis auf das eine Mal, daß sie wohl den Todesmeridian erwischt hat, aber das verzeihe ich ihr. Einige Zeit später klingelt das Telefon und sie nimmt verwundert ab. Ich ahne schon, daß die Zeit vorüber ist, und in der Tat fängt die Masseusin an, im D-Zugtempo noch die Unterbeine einzuschmieren und zu quetschen, hört aber schnell auf und meint, es sei vorbei. Eine Sitzung ist 45 Minuten lerne ich später, und muss demnach nächstes Mal wohl zwei nehmen. Die Nummer der Masseusin wird gemerkt, und so gehe ich duschen. Es ist üblich, ein Trinkgeld zu hinterlassen, und 30 Euro leichter mache ich mich auf in Richtung Hotel.

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