Dienstag, 15. Januar 2008

Dienstag, 15. Januar 2008

Heute wird im Beijinger Studio ein Vorspiel aufgenommen für das Hong Kong Philharmonic Orchestra, da eine Cellistin am eigentlichen Termin nächste Woche nicht kann. Ich habe mit Cao Meng alles mögliche abgesprochen, um die ganze Sache gut ablaufen zu lassen, und im Vorfeld wurde eifrig gemailed zwischen Vanessa (vom HKPO), der Cellistin und mir. Nun, 5 Minuten bevor ich zum Studio fahren will, schickt Vanessa plötzlich noch Listen mit Musikbeispielen und komplette Partiturausschnitte, die alle abgedruckt werden sollen. Da die Cellistin ansonsten wohl nicht weiss, was zu spielen ist, scheint das ganze recht wichtig zu sein. Ich habe aber keinen Printer, und so wird wieder zum Telefon gegriffen und Cao Meng angerufen. Zum Glück läßt sich über Teacher Yang etwas organisieren, und somit sei auch das Problem gelöst.

Im Studio stellt sich heraus, daß Cao Meng eine sehr professionelle DVI-Kamera leihen konnte, mit Mikrofoneingängen und sonst noch was. Somit ist unsere Aufgabe eigentlich sehr einfach, und beschränkt sich auf Mikrofone stellen, das Studio aufräumen und der Cellistin freundlich begegnen. Diese Sachen werden gekonnt gemeistert, auch wenn mal wieder etwas zu viel chinesisch gesprochen wird mit der Hoffnung, ich könnte umgangen werden, aber ich bleibe streng im Einhalten des Ablaufs der Aufnahme. Die Musikerin verschwindet wieder und ich versuche Cao Meng zu überreden, morgen früh einen Termin beim imposanten neuen Grand National Theatre zu machen, denn ein Freund von ihm arbeitet dort und wir haben in 1,5 Wochen da eine Aufnahme mit dem HKCO. Natürlich versuche ich, schon ein Mal das 4-Mikrofonhauptsystem vorzubereiten, aber ich fürchte schon jetzt, daß das wieder nicht gelingen wird. Nachdem Cao Meng es auch nicht hinbekommt, Teacher Yang zu fragen ob wir das benachbarte, abgeschlossene Studio anschauen dürfen – und dies ist das x-te Mal, daß es nicht klappt – trennen sich unsere Wege und mache ich mich auf, um Lajos zu treffen, von dem ich mir erhoffe, daß er mir ein wenig im Ungarischen weiterhilft. Bei Chaoyangmen, im Fulllink Plaza (in der Tat: 3 ‘L’), treffen wir uns im Starbucks und kommen zum Schluss, daß es keinen Zweck hat. Es scheint ausserdem höchstens 200 Ungarn in Beijing zu geben, von einer Gemeinschaft kann also kaum die Rede sein. Interessant ist es trotzdem, sich mit Lajos zu unterhalten, denn er ist schon 2 Jahre in Beijing, hat eine chinesische Freundin, und bemerkte weise: “Here quality does not matter, only your connections”. Leider macht sich dieses Gefühl auch schon bei mir bemerkbar.

Nach diesem kurzen Treffen renne ich weiter nach Yong An Li, um bei California Fitness vorbeizugehen und meine Membership zu vollenden. Ich werde von allen möglichen hübschen Chinesinnen umringt und nachdem ich sie von mir abgeschlagen habe bleibt nur eine übrig, die die Worte des Superbodybuilders und Personal Trainers mit dem Namen ‘King’ übersetzt. King sagt recht sinnvolle Sachen, die man ihm so vom Äußerlichen gar nicht zugetraut hätte. Währenddessen hüpft hier und da mal wieder eine Chinesin grinsend vorbei die der Assistentin von King auf mich zeigend etwas zunuschelt, worauf diese beschämt lachend der Vorbeiläuferin einen Klapps gibt. Ich zweifele schon nicht mehr daran, daß dies eine gute Entscheidung war, doch zum Einstellen eines eigenen Personal Trainers kann mich keiner überreden, denn die Preiskarte ist mit knapp 500 Euro pro Monat ein wenig zu viel des Guten. Ich bekomme von der Assistentin “Angela” viele Sachen in die Hände gedrückt und zu aller letzt wird mir die Platinum Membershp Card überreicht. Ich begreife erst nicht, was denn “fisaler” bedeuten soll, Angela jedoch klärt mich auf und ich verstehe. “Your name!”. :-) Ein Foto zur Identifikation wird noch an der Kasse gemacht, worauf Angela doch noch schnell “handsome!” ruft (es konnte ja nicht ausbleiben) und ich es nicht lassen kann zu fragen, ob sie denn nächstes Mal auch da sei. Dies ist der Fall, und somit beende ich den abendlichen Egoboost und kehre Richtung heimwärts.

Ich schaffe es mit der Subway noch nach Fuchengmen, jedoch ist es gerade nach 22:00 und mein letzter Bus ist schon abgefahren. Der Kälte und dem Hunger werden entgegengewirkt mit einem Burger von McDonald’s, dem ersten seitdem ich auf Beijings Strassen Fuß gefasst habe. Der Quarterpounder schmeckt zu Anfang erkennbar, doch habe ich die starke Paprikasoße nicht erwartet. Meine Nase läuft in der Eiseskälte alarmierend stark, und ich wundere mich – den Burger mampfend – warum in China alles scharf schmecken muß. Wo yao bu la!! Das Taxi nach Hause kostet dann leider doch 1 Euro, aber es schmerzt nur wenig. Kurz bevor ich schlafen gehe schreibt Sun Yue mir eine sms, die Vermieter wollen heute (???) oder morgen die kommenden 3 Monate bezahlt bekommen.

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