Freitag, 23. November 2007

Freitag, 23. November 2007

War gestern ein grauer, schmutziger Beijing-Tag begleitet von Kopfschmerzen, so war heute ein sonniger, klarer Tag mit angenehmer Temperatur und sowahr dem Anschein frischer Luft. Dass dem nicht wirklich so ist verraten spätestens die trockenen Hustenanfälle, die mich gelegentlich überfallen. Ein schöner Tag lädt ein zum sightseeing, und genau das nehme ich mir vor. Ich will zum ‘Temple of Heaven’, erst aber muss geklärt werden, wie man das denn ausspricht, damit der Taxifahrer auch weiss wohin er mich fahren soll. Höchste Priorität hat jedoch der Kauf eines Stadtplanes mit englischen Strassennamen, damit zukünftige Ausflüge erleichtert werden.
Suns Tipp hat leider nicht funktioniert, denn in Gan Jia Kou gibt es nur chinesische Stadtpläne. Ich nehme ein Taxi und überzeuge den Fahrer, mich zum Tiantán zu fahren, dem Himmelstempel. Er schaut mich zwar verdrusst an, wiederholt aber artig den Namen und fährt los. Dort angekommen verbringe ich den Nachmittag auf der Anlage und im Park, denn diese sind ziemlich gross. Die obligatorischen Fotos werden gemacht, und da die Sonne äußerst wirkungsvoll durch die Zypressen scheint und sie sowieso ein schönes Licht hat heute, gelingen diese recht gut. Die Tempel sind hoch über der Stadt gebaut, in einer unwirklichen Umgebung und vollkommener Losgelöstheit von der rummeligen Stadt, was einem nach nächtelangen Bauarbeiten und dem allgemein gegenwärtigen Lärm sehr gut tut. (“Daar knapt de mens van op!”, wie der Friese sagt)
Auf dem Rückweg lachen mich noch allerlei über das Sehen eines Lao Wai erfreuten chinesischen Verkäufer an, und ich mache ihnen eine Freude und lache zurück. So wird eifrig hin- und hergelacht, und ein paar Ecken weiter finde ich heraus, dass gleich in der Nähe eine Metrohaltestelle ist der Linie 5. Damit fahre ich nach Wangfujing, und beim Stöbern im grossen CD-/DVD-Laden finde ich sowahr einen Beijing Di Tu, einen Stadtplan, in Englisch. Der Kaufrausch überfällt mich, bin aber schon an die chinesischen Preise gewöhnt und stelle jeden Artikel zurück, der die 5 Euro-marke überschreitet. Mein Orientierungssinn hat sich in bisheriger Abwesenheit des Di Tu ganz gut entwickelt (nur ab und zu eine “de-tour”), und so finde ich problemlos den Weg nach Hause. Abends wird wieder im Szechuanrestaurant gegessen, wo die Bedienung sichtbar glücklich ist über meine Wiederkehr und direkt Vorschläge gemacht werden, die “bu la” sind. Ein gut gemeintes Aufschreiben des Namen des vorgeschlagenen Gerichtes in chinesischen Zeichen verstehe ich natürlich nicht, meine aber, “Gu Lao Rou” verstanden zu haben, und in der Tat bringt nach kurzer Zeit der Küchenchef persönlich süß-saures Fleisch vorbei und ruft noch etwas, das wahrscheinlich “Reinhauen!!” bedeutet. Ich nehme mir vor, alle glücklich zu machen, und esse alles auf. Das lauwarme Bier ist zwar nicht wirklich lecker, man kann sich jedoch nicht beklagen beim Gesamtpreis von Euro 2,20, was wiederum nur bedeuten kann, dass der Reis gratis ist und das 600ml Bier 40 cent kostet.
In der Internethalle war es ein frohes Wiedersehen mit den Kassiererinnen, alle anderen Chineses waren wie Zombies hinter ihren Computern. Auf dem Forum des ‘The Beijinger’ stellt sich heraus, dass ich nicht der einzige bin mit Kackerlacken. Der Schreck, mein Handy sei geklaut, erwies sich Zuhause zum Glück als unzutreffend, den es lag noch auf dem Tisch.

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