Wieder durch den Lärm der Hochhausbaustelle geweckt. Brot und Marmelade (!) zum Frühstück, beinahe wie in Europa! Ich nehme mir die Zeit, ordentlich aufzustehen, und gegen mittag kommt eine SMS von Sun, er sei zurück und würde bei mir vorbeikommen, um mit mir zur “Internetbar” zu gehen. Diese, so stellt sich heraus, befindet sich gleich um die Ecke, wo auch der Supermarkt ist. Durch eine unscheinbare Seitentür gehen wir in die erste Etage, wo ca. 300 Chinesen eng aufeinandergestapelt hinter Rechnern sitzen. Ein grosses Schild “Adults only” lässt mich merkwürdiges erwarten, jedoch steht gleich weiter eines mit “No pornographic website visits permitted”, also war die Aufregung umsonst. Ich schaue mir meine neuen mails an und versuche im selbsterlernten 10-Fingersystem so schnell wie möglich zurückzutippen, damit Sun neben mir nicht zu lange gelangweilt weiter sms-en muss. Als wir fertig sind werden wir wiederum durch den grinsenden Blick der Dame hinter der Kasse begleitet. Ihre Kollegin schaut auch, aber eher böse.
Sun meint, wir könnten ja nach Wangfujing gehen, und da mir das nichts sagt finde ich es eine gute Idee. Der über mein Unwissen erstaunte Sun murmelt noch, dass seine Freundin auch dort sei, und so machen wir uns auf zu meiner ersten Busfahrt in Beijing. Im Bus selber sitzt der menschgewordene Stoppknopf rechts vorne und schreit andauernd irgendwelche Sachen durch den Bus. Leider stehe ich neben ihm, und da ich eingeklemmt bin zwischen stinkenden Leuten kann ich mich nicht entfernen. Nach einiger Zeit kommen wir an der Metrohaltestelle Fuchengmen an, und ich bin den Genuss einer gastronomischen Reise reicher. In der subway, die seit September 3 Eurocent teurer geworden ist, fahren wir über Umsteigen in Fuxingmen (beachte die richtige Aussprache!) nach Wangfujing, dem westlich orientierten Shoppingparadies der Reichen und Expats. Dort wird in einem riesigen Foodcourt gegessen, und nachdem sie sich x-mal verlaufen hat, kommt auch Suns Freundin an und zusammen laufen wir draussen in der Kälte herum und schauen uns auf der breiten Fussgängerzone die vielen grossflächigen Bildschirme an den Gebäuden an, sowie einen touristischen Nachtmarkt, auf dem von Schmetterlingpuppenspiessen bis Seesternen alles mögliche gebraten wird. Das echte Beijing ist dies nicht, aber wir lassen die Expats gerne in ihrem Glauben und laufen wieder zurück, da der letzte Bus um 21:00 von Fuxingmen abfährt. Während der Fahrt stellt sich heraus, das Suns Freundin eigentlich ganz gut Englisch versteht “died yu find it delieschös?” und eine recht selbstkritische Komponistin ist “oh, I am veeery terrible!”. Sun überlässt es mir, dem menschgewordenen Stoppknopf bescheid zu sagen, wann ich aussteigen muss – quasi als Test – und zum Glück schaut dieser in meine Richtung während seines Schreirituals und begreift mein Handzeichen wohl, denn der Bus stoppt und ich steige aus.
Wieder in der Wohnung schaue ich mir während den kurzen WiFi-Momenten an, wie man möglichst gut und schnell Mr. Roach beseitigt und muss feststellen, dass ich meine Taktik ändern muss. Der Abend klingt aus mit CCTV 9 und ESPN, aber nachdem diese dasselbe zeigen wie heute morgen schalte ich auf eines der fürchterlichen Unterhaltungsprogramme Chinas, wobei als ethnic minority verkleidete Tänzer in Megaproduktionen zu Urwaldrythmen auf der Bühne herumrennen. As long as we are politically correct!
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