Erste Nacht in der neuen Wohnung überstanden, keine Angriffe von Mr. Roach. Als Dank dafür sprühe ich eifrig Pestizide, um zukünftigen Besuchen entgegenzuwirken. Nach Inspektion der Fallen stellt sich heraus, dass sich sogar ein paar Viecher dort verlaufen haben!
Ich beschliesse heute ein wenig die direkte Umgebung zu erkunden, vielleicht finde ich dann ja heraus, wo in Beijing ich mich eigentlich befinde. Bewaffnet mit dem Fotoapparat laufe ich die Strassen ab und mache Fotos der Strassennamen, die sich sonst keiner merken kann. Die pfannkuchenartigen Fladen, die ich mir als Frühstück gekauft habe, schmeckten anfangs wirklich gut, aber nach und nach macht sich ein leberartiger Geschmack bemerkbar der auf leeren Magen nicht so gut bekommt. In einer kleinen Seitenstrasse kaufe ich mir deswegen chinesische Donuts, begleitet von erstaunten und panischen Blicken der umherlaufenden Mitbürger. Die Strasse führt in einen wohl nicht für upperclass-Menschen vorgesehenen Strassenmarkt, weswegen ich meinen Weg weiter gehe in Richtung größerer Strassen.
Ein paar Ecken weiter erblicke ich eine Horde Menschen, die alle in eine Art Einkaufszentrum wandern, aus welchem laute Musik und Lärm strömen. Innen laufe ich durch ein riesiges vierstöckiges Rummelmarktgeschehen, in dem russische Wegweiser stehen und sowohl chinesische als englische Durchsagen erklingen. Jede Etage besitzt ein Thema, und so erstrecken sich über 5 Etagen Taschen, Elektronik, Schmuck und sonst noch was. Eine halbe Stunde genügt, und da ich plötzlich zwei Nichtchinesen begegne beschliesse ich, dass es Zeit ist, zu gehen.
Nach einiger Zeit merke ich, dass ich wohl in Gedanken eine Ecke weniger genommen habe als in Wirklichkeit, aber zum Glück erkenne ich einen Strassennamen und finde schnell wieder den Pfad heimwärts.
Abends ist es dann soweit! Zeit zum Essen, und da ich das Wort für Reis immer noch nicht gut aussprechen kann wird es nicht einfach werden. Ich werde darum, als Anfänger, in der Universitätskantine essen gehen. Dort angekommen grinsen mich die bedienenden Chinesinnen wiedererkennend an, und ein wildes Herumfächern der Finger mit fragendem Gesicht beantworte ich erfolgreich mit “yi” und Zeigefinger, wonach das Mädchen zufrieden wegrennt und ein anderes mir Tee und Menükarte hinknallt. Da sie erwartungsvoll wartet zeige ich ihr die Fotos der gewünschten Speisen und beantworte die Frage nach Reis mit Kopfnicken. Das Essen kommt, der Reis nicht. Das Nachfragen einer der Oberinnen nach Reis wird positiv beantwortet. Der Reis kommt nicht. Nachdem ich dann doch den Mut gefasst habe schaffe ich es, Reis zu bestellen. Und nach einiger Zeit kommt er!
Der kalte Weg zurück wird noch kurz erfreut durch einen schnellen Besuch eines Elektronikladens, wo wegen wenig Klientele die Mitarbeiter gelangweilt Fernsehserien schauen oder Gameboy spielen. Wieder draussen rennt Ida noch vorbei aber sieht mich wohl nicht. Zuhause schaue ich mir den auf DVD gepressten illegalen Mitschnitt einer Kinodarstellung von “The Queen” an. Nach einer letzten Inspektion der Verstecke von Mr. Roach gehe ich schlafen.
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