Samstag, 24. November 2007

Samstag, 24. November 2007

Heute mit Sun und Liu Yi zum Lunch getroffen. Es stellt sich heraus, das Liu gute Ideen hat bezüglich Unterrichten, die Universität ihr jedoch nicht viel hilft und sie, genau wie ich, selber das ein und andere organisieren muss und ausdenkt. Das Gespräch gibt mir einen besseren Eindruck von dem Studium und dem, was die Studenten bisher so gemacht haben. Nämlich wenig. Lius Fahrkünste sind etwas weniger berauschend, und so fahren Sun und ich ängstlich mit ihr im aufgemotzten Sport-Mazda ihres Teachers durch Beijing, um mich Zuhause abzusetzen.
Dort angekommen beschliesse ich die kurze Zeit, die noch übrig ist (Essen in China ist eine ernsthafte Sache), zu nutzen, um meine direkte Umgebung noch etwas besser zu erkunden. In einer Seitenstrasse findet sich alles mögliche, Marktstände, Minirestaurants, Frauen, die hinter Glastüren sitzen, aber auch ein grosses Institut für Chinesen, die Englisch lernen wollen. Kunterbunt sozusagen. Der Rundgang wird abgeschlossen durch einen Besuch beim Supermarkt, wo ich u.a. Verstärkung für die Fallen von Mr. Roach kaufe und einen Superspray, der jedes Insekt bei Berührung erstarren lässt. Ich will aber ein wenig warten, bevor ich diesen einsetze, da der Extermination Entormologist davor warnt, denn Sprays und ähnliche Mittel können die Attraktivität der Baitstations verringern.
Abends treffe ich mich mit Cao Meng bei der Beijing Concert Hall, da er für uns beide Karten organisieren konnte. Ich finde den Konzertsaal mühelos, und unterstreiche damit mein neu erworbenes Orientierungsvermögen in einer 9-Millionenstadt, in der man nur überlebt, solange man Norden von Süden und Westen von Osten unterscheiden kann. Das Konzert des Beijing Symphony Orchestra beinhaltet nur Kompositionen eines wohl sehr berühmten, stockalten Komponisten, und in ca. 2 Stunden Zeit entfaltet sich ein kommunistisches middle-upperclass Spektakel der Sonderklasse. Da mir der Sinn der Musik entging widmete ich mich den Musikern, worunter 3 Nichtchinesen, die allesamt bis in die Knochen frustriert und verspannt dasitzend die Stücke daherdudelten, welche mich in einen post-De Haske-Flashback versetzten. Nichtendende, einstimmige, durch alle Streicher eingesetzte Melodieen kursierten endlos durch den Raum, regelmäßig verstört durch Kickser der Hörner oder durch die Noten des überdimensionierten, jedoch nicht gestimmten, Bösendorfer Konzertflügels. Das Publikum wirbelte eifrig die Plastikverpackungen der für das Finale gedachten Blumensträuße um sich, und so tickten die Minuten abzählend zum Ende einer Vorführung, wie sie wohl nur in einem Land stattfinden kann, welches Jahrzente dem Rest der Welt verschlossen war. Nachdem dann endlich das Konzert vorbei war rannte der Saal nach vorne, um den sich kaum auf den Beinen haltenden Komponisten zu umarmen, mit ihm Fotos zu machen, oder ihm den zwölften Blumenstrauß zu überreichen, den er schon seit dem dritten nicht mehr greifen konnte. Cao wollte mir noch die Gu Qing Solistin des Abends vorstellen, wir durften jedoch nicht mehr backstage und sie hatte wohl weise gewählt nicht front of it zu sein. Und was macht man dann? Richtig, man geht essen.
Ein kleiner Spaziergang in der Eiseskälte brachte uns zu einem netten Restaurant, in welchem wir für Euro 9,20 ausgiebig speisten. Teuer!! Aber wir hatten ja Bier getrunken. Interessanterweise erzählt Cao mir über einen Deutschen, der an der Filmhochschule Recording Technique unterrichtet, namens Jürgen. Ob ich ihn kenne weiss ich nicht, denn Cao kann sich nicht an den Nachnahmen erinnern. Das Taxi fährt mich heimwärts über was erst ein Umweg erschien, sich dann jedoch zum Glück als die Fuchengmen Dajie erwies.

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